Was ist die Realität in einem Land wie Deutschland mit 82 Millionen Einwohnern?

Jedes Jahr werden in Deutschland über 700 Millionen Tiere geschlachtet. Etwa 450 Tiere pro Minute können auf dem größten Geflügelschlachthof Deutschlands geschlachtet werden. Bis 12,5% der Tiere werden dabei in den Schlachthäusern nicht richtig betäubt, so dass jedes Jahr Millionen Tiere das Durchschneiden der Kehle, die Verblutung oder Verbrühung bei vollem Bewusstsein erleiden.

Foto: Animal Equality (Klicken Sie auf die Fotos, um zu vergrößern)
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Die Mehrheit der Tiere lebt ohne Zugang nach draußen. Die meiste Zeit im Jahr sind 72% der Milchkühe in Laufställen eingesperrt, 27% sind sogar im Anbindestall fixiert. Ca. 98% der Legehennen leben in Betrieben mit mehr als 5000 Hennen, 70% in Betrieben mit mehr als 30 000 Hennen. Die Mindestfläche für ein Schwein mit mehr als 110 kg liegt bei nur 1 m². In engen Räumen haben sie keine Bewegungsfreiheit. 

Foto: Animal Equality
Foto: Animal Equality

Üblich sind Verstümmelungen von empfindlichen Körperteilen und Extremitäten, wie der Verschnitt der Schnabelspitze beim Geflügel, das Stutzen der Rinderhörner, der Zähne und des Schwanzes bei Ferkeln, oder die Kastration. 

 

 

Foto: Animal Equality
Foto: Animal Equality

Kühe werden künstlich geschwängert und kurz nach der Geburt von ihren Kälbern getrennt, obwohl sie nachweislich eine enge emotionale Beziehung mit ihrem Nachwuchs entwickeln. Kühe produzieren heute zwei- bis dreimal mehr Milch als in den 1950er Jahren, und zwar sogar noch während ihrer 9 Monate dauernden Schwangerschaft.

Die männlichen Kälber werden nach 2 Jahren zur Verarbeitung in Schlachthöfe gebracht, die weiblichen Kälber ersetzen die Mutter. Nach etwa 5 Jahren, erschöpft, werden Milchkühe geschlachtet, obgleich sie etwa 20 Jahre alt werden könnten. Ungefähr 180 000 Milchkühe landen gar schwanger in den Schlachthöfen, jedes Jahr, was eine langsame Erstickung der ungeborenen Föten verursacht. 

Foto: Animal Equality (Legehennen für Bioeier)
Foto: Animal Equality (Legehennen für Bioeier)

Etwa 44 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr kurz nach der Geburt geschreddert oder vergast, nutzlos, weil sie weder Eier legen noch Fleisch ansetzen. Die Legehennen werden für 1 bis 2 Jahre ausgenutzt, bevor sie in Schlachthöfe kommen, obwohl sie 10 Jahre lang leben könnten. Hochleistungs-Legehennen produzieren 300 Eier pro Jahr, während wilde Hühner nur 60 Eier legen.

Aufgrund von genetischen Veränderungen, Kraftfutter und Lebensbedingungen entwickeln Tiere physische und psychische Krankheiten (Erkrankung des Bewegungsapparats, des Atmungsapparats, des Stoffwechsels, Euter, Eileiter und Hautentzündungen, Magengeschwüre, Verhaltensstörungen wie Schwanz und Ohrenbeißen, Kannibalismus, Stereotypie…). Viele sterben vor der Schlachtung. Das Risiko der Verbreitung von Viren und Bakterien in landwirtschaftlichen Betrieben ist hoch. Im Winter 2016-2017 wurden aufgrund der Vogelgrippe über 1 Millionen Vögel getötet. Hohe Mengen an Antibiotika werden jedes Jahr in der Zucht verabreicht. Im Jahr 2015 wurden, laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, über 800 Tonnen Antibiotika in der Tiermedizin verabreicht, was das Infektionsrisiko und die Sterblichkeit durch multiresistente Bakterien sowohl für Tiere als auch für Menschen erhöht.

Foto: Paul Beaufort
Foto: Paul Beaufort

Fischerei

Wie Menschen nehmen auch andere Säugetiere, aber auch Vögel und Fische Schmerzen wahr. Fische erleiden verschiedene Traumata durch die Druckentlastung während des raschen Aufstiegs (Ausdehnung oder Platzen der Schwimmblasen, Austritt der Gedärme…), Erstickung im Kontakt mit der Luft, Zerquetschung unter ihren Artgenossen in den Netzen, Aufspießung, Aufschlagen, werden bei vollem Bewusstsein ausgenommen und können Qualen über mehreren Stunden erleiden, wenn sie bei lebendigen Leibe im Kühlfach „frisch“ konserviert werden.

Die Lebensbedingungen in der Aquakultur sind die gleichen, wie in jeder intensiven Landwirtschaft mit Platzmangel, Übervölkerung, mit Schädlingen und Krankheiten, übermäßigem Einsatz von Antibiotika und genetischen Veränderungen.

Foto: Paul Beaufort
Foto: Paul Beaufort

Welche Einfluss hat der Tierverbrauch auf Umwelt und Menschen? 

Ein Drittel des Getreides weltweit (und sogar fast zwei Drittel in Deutschland) und drei Viertel der Sojabohnenproduktion in der Welt dienen als Tierfutter. Ein großer Teil dieses Futters wird sehr ineffizient verwendet, da die Energieverwertung insbesondere in größeren Tieren in einem sehr schlechten Verhältnis zur Fleischproduktion steht. Das bedeutet nicht nur einen erheblichen weltweiten Verlust an Nahrungsmitteln, sondern auch eine stets zunehmende Abholzung im Dienste der Futterproduktion, gestiegenen Pestizid-, Dünger- und Wasserbedarf, und einen Verlust der natürlichen Räume für die Menschen und Tiere.

 

 

Der Tierkonsum und der höhere Bedarf an Pflanzen trägt zu steigenden Preisen pflanzlicher Produkte allgemein, und damit zur Unterernährung weltweit bei, von denen derzeit 800 Millionen Menschen betroffen sind. Der Einfluss des Tierkonsums wirkt sich wesentlich auf den Klimawandel aus. Durch Fleischproduktion, Futterproduktion und Tierhaltung werden in etwa gleich viele Treibhausgase ausgestoßen, wie durch den gesamten Transportsektor (Flugzeug, Kraftfahrzeuge, Schiffe...). Derzeit werden große Teile der Urwälder für die Produktion von Tierfutter gerodet, mit noch schwer abschätzbaren klimatischen Folgen.

Foto: Paul Beaufort
Foto: Paul Beaufort

Die Alternative

Das Tierleid und der Anteil der Tierausbeutung auf die gesundheitlichen und ökologischen Probleme unserer Zeit könnten weitgehend vermieden werden, indem die Ernährung auf Veganismus umgestellt wird. Pflanzliche oder synthetische Materialen für die Herstellung von Kleidung, Schuhen, Decken usw. helfen die negativen Folgen zu lindern.

Es gibt zu diesem Thema zahlreiche Information im Internet, in Büchern, Videos und Dokumentationen, Zeitungen über das Leben und den Tod der Tiere, den Umweltschutz und die alternative Wahl. Die folgenden Seiten sind nicht erschöpfend.

 

Referenzen

www.albert-schweitzer-stiftung.de

Was Sie über Massentierhaltung wissen sollten, M. Beckers & C. Dietz, Süddeutsche.de, 3/03/2014.

Bilanz der Vogelgrippe: Mehr als 1 Million Tiere getötet. A. Fritz, agrarheute, 2/3/2017.